1999-2006 Leitung des Wolfgang Borchert Theaters Münster

Kommentare und Pressestimmen zur Intendanz von Ewa Teilmans
:

Eine starke Frau ist gut angekommen in Münster und erobert den Kreativkai im Hafenviertel ebenso cool wie kompetent. Ewa Teilmans, seit 1999 Intendantin, des Borchert Theaters, feierte die perfekte Landung auf dem Dach ihres Theaters inmitten trister Wohnblocks und Hafendocks, steinerner Türme und gläserner Bauklötze von Stadtwerken und Cineplex. Teilmans Blicke auf menschliche Schicksale und heutige Zustände treffen aufmerksame Zuschauer mitten in Herz oder Kopf und reizen nicht selten die Lachmuskeln. Sie meint: Theater muss sich einmischen und auf aktuelle Ereignisse reagieren. Ewa Teilmans liebt Entdeckungen und verblüfft immer wieder mit Überraschungen.

Marieluise Jeitschko, Westfalenspiegel


Die Intendantin führt das Wolfgang Borchert Theater mit Augenmaß und schöpft das Potential ihres Ensembles voll aus. Vielseitigkeit bar jeder Beliebigkeit kennzeichnet ihre Spielpläne. Die Prinzipalin steht überdies immer wieder als Sängerin und Schauspielerin beeindruckend auf der Bühne und trägt damit zum Erfolg des Hauses bei. Das Wolfgang Borchert Theater nimmt unter den Kultureinrichtungen Münsters einen nicht mehr wegzudenkenden Platz ein. Es hat zudem an Profil gewonnen und konnte sein Besucherspektrum sichtlich erweitern. Der Einfallsreichtum der Produktionen überzeugte die Zuschauer. Das Publikum liebt Ewa Teilmans und fühlt diese Liebe erwidert.

Aus der Laudatio der Gesellschaft der Musik und Theaterfreunde Münsters anlässlich der Verleihung des Preises für eine besondere künstlerische Leistung in der Spielzeit 2001/2002.


Thomas Bernhards Verzweiflungskomödie „Die Macht der Gewohnheit“ ist die Abschiedsinszenierung Ewa Teilmans vom Wolfgang Borchert Theater in Münster. Sieben Jahre hat sie die traditonsreiche Privatbühne geleitet, seit dem Umzug in die „Alte Molkerei“ im Hafenviertel, das damals noch als kein Ort für brave Bürger galt. Mutig war sie gestartet mit „Familengeschichten. Belgrad“ von Bljana Srbljanovic, politischem Gegenwartstheater. Außenprojekte halfen, das kleine Theater in der Stadt zu vernetzen, Partnerschaften zu entwickeln, Freunde zu finden.
Viele Zuschauer sind zwischen 30 und 50, genau die Generation, die sonst schwierig ins Theater zu locken ist. Die Auslastung liegt bei 70 Prozent, was sich steigern ließe, wäre Ewa Teilmans nicht so anspruchsvoll. Renner, wie die allseits beliebten Wittenbrink-Liederabende setzt sie irgendwann ab. Diese Produktionen machen Spaß, sollen aber nicht das Gesicht des Hauses prägen. Ewa Teilmans steht zu Experimenten und unbekannten Stücken, will Autoren zeigen, die sonst in Münster nicht zu sehen sind. Publikumsbindung erreicht sie durch Kontinuität im Ensemble. Ein freundlicher und kommunikativer Geist prägt das Haus… Das Wolfgang Borchert Theater war sieben Jahre lang ein Ort, an dem poetische Phantasie und politische Realität aufeinanderprallten.

Stefan Keim, Deutsche Bühne


Wie ein Blitz schlug ihr Entree als Intendantin des Wolfgang Borchert Theaters in Münsters Theaterszene ein. Im neuen Schmuckkästchen des damals noch ungeliebten Hafenviertels funkelte sie seitdem als kostbarstes Juwel auf der Bühne und hinter den Kulissen – theaterbesessen, gesellschaftskritisch, couragiert bis zur Aufmüpfigkeit, unermüdlich kontaktfreudig und einfallsreich. Ihr blitzgescheites Programm lockte die Leute schnell an. Als strahlende Diva ohne Allüren hieß sie ihre Gäste willkommen – Sponsoren wie Studenten, Kommunalpolitiker wie ganz „normale“ Theaterbesucher. Auch künstlerisch behielt sie immer das Heft in der Hand. Ihre Leitung der Generalprobe zu „Leonce und Lena“ im Hafenbecken gehört für mich zu den köstlichsten Theatererlebnissen in dieser Stadt. Ähnlich fasziniert von ihrem Gespür für theatralische Effekte „aus dem Nichts“ war ich bei der Premiere von „Sommersalon“ auf der Loddenheide, als sie und ihr vielseitiges Ensemble die ehemalige englische Garnisonskapelle als Kulturgut retten sollte. Ihre Soloprogramme, allen voran „Heute abend: Lola blau“, garantierten ihr stets ein volles Haus.

Marieluise Jeitschko, freie Journalistin


Das Wolfgang Borchert Theater war für sie keine “Vertragserfüllung“ sondern eine Herzensangelegenheit. Von „Job“ kann bei der umtriebigen Theaterfrau angesichts ihrer Leistungen ohnehin kaum die Rede sein. Und ihre Berufe sind an einer Hand kaum abzuzählen: Selbstverständlich wird Münster Ewa Teilmans als Regisseurin, Intendantin, Dramaturgin, Autorin und Schauspielerin in Erinnerung behalten. Aber vermissen wird die Stadt diese engagierte und ambitionierte Frau auf weit mehr Feldern. Ewa Teilmans hat das Wolfgang Borchert Theater zu neuen Ufern geführt.

Gerhard Heinrich Kock, Westfälische Nachrichten


Mein besonderer Dank gilt natürlich Ewa Teilmans, die nun, nach sieben Jahren, ihre Intendanz am Wolfgang Borchert Theater beendet. Ewa Teilmans hat das Wolfgang Borchert Theater nicht nur geprägt, sondern in einer bemerkenswerten Art und Weise vorangebracht, die ich nur bewundern kann. Sie hat es geschafft unter schwierigsten Rahmenbedingungen hervorragendes und auch beliebtes Theater zu machen. Im Kino würde man wohl sagen, dass sie es geschafft hat, mit dem Budget eines B-, man müsste vielleicht sogar sagen eines C-Movie, einen künstlerisch wertvollen Blockbuster zu machen.

Dr. Berthold Tillmann, Oberbürgermeister der Stadt Münster


Das Kindertheater am Borchert zählt zu den großen Glanzpunkten der Ära Ewa Teilmans. Im kleinen, persönichen Ambiente der Hafenbühne wurde eine unvergleichliche Magie geschaffen. Ob sich nun seltsame Waldschrate fetzen wie in „Saffran und Krump“ oder die Kunst der Versöhnung gefeiert wurde wie in „Robinson & Crusoe“: Stets schafften es die Schauspieler, kindlich aber nicht kindisch, verständlich aber nicht anspruchslos aufzutreten.
Bei der Auswahl der Stoffe hatte Ewa Teilmans eine glückliche Hand: Sie stellte pädagogisch wertvolle Inhalte in einen so ungewöhnlichen, fantasievollen Rahmen, dass nie ein moralischer Zeigefinger Langeweile verbreitete. Kinder wurden hier nicht nur als künftige Abonnenten gesehen, die irgendwo schon mal ans Theater gebunden werden müssen, sondern als Publikum mit eigenen Rechten im Hier und Jetzt. Dieses Profil ist eine der kostbarsten „Marken“ des Wolfgang Borchert Theaters und sollte keinem Sparzwang zum Opfer fallen.

Manuel Jennen, Münstersche Zeitung


Sieben Jahre hat Ewa Teilmans als Intendantin Programm und Entwicklung des Theaters beeinflusst. Intendantin, Regisseurin, Schauspielerin, Stückeschreiberin in Personalunion füllte sie viele Rollen aus. Nicht nur als „Lola blau“ wird sie unvergesslich bleiben und in der Theatergeschichte ihren festen Platz behalten… Das Wolfgang Borchert Theater und die Stadt Münster haben durch Ewa Teilmans viel gewonnen. Durch ihren Weggang verliert das Theater und Münster eine engagierte ideenreiche Intendantin, die auch unter schwierigen Voraussetzungen immer ein fesselndes anspruchsvolles Programm gestaltete.

Wendela-Beate Vilhjamsson, Vorsitzende des Kulturausschusses der Stadt Münster


Wer die Gelegenheit hatte, gut vierzig Jahre lang die Arbeit im Wolfgang Borchert Theater kritisch zu begleiten, muss zu dem Urteil kommen: Die sieben Teilmans-Jahre waren bisher die besten. Das lag sicher auch daran, dass Ewa Teilmans Theaterstücke ernst nimmt und sich nicht auf die Seite der profilneurotischen Selbstverwirklicher und Stückezertrümmerer geschlagen hat.

Jürgen P. Wallmann, Journalist


Haben sie ihre letzte grausame Inszenierung gesehen, großartig und unerbittlich, wie der widerlich genaue Thomas Bernhard es geschrieben hat? Warum diese Inszenierung als letzte ihrer Amtszeit? Verehrte Zirkusdirektorin, Verzeihung Frau Blau, ach ja, Lola Blau: die kann uns die Sehnsucht in den Leib singen und die Abschiedstränen in die Augen und das Hoffen unter die Haut. Hoffen auf ein Wiedersehen mit der Stückeschreiberin, der Regisseurin, der Schauspielerin, der Diseuse, der unverwechselbaren Ewa Teilmans.

Rolfrafael Schröer, Autor